Bergturnfahrt 2021

Endlich war er da. Der lang ersehnte Tag, an welchem die fröhliche Turnerschar ein weiteres Mal in unbekannte Gefilde aufbrach, um ihre unersättliche Wanderlust zu stillen.

Die Rede ist vom 11. September 2021, einem Samstag in einem schwierigen Jahr, was das Reisen mit dem Turnverein anbelangt. Das Turnfest anfangs Sommer musste abgesagt werden, was alle Turner und Turnerinnen, welche einmal diese einzigartige Atmosphäre erlebt haben, verzweifeln liess. Auch andere Events früher im Jahr, konnten aufgrund der ausserordentlichen Lage nicht stattfinden. Ausserordentlich war nun aber die Freude, endlich wieder einmal einen kleinen Wochenendausflug mit dem Turnverein antreten zu können.

Bereits vor der Abfahrt in Utzenstorf gab es jedoch eine Absenz zu vermelden, ein hochangesehenes TV-Mitglied musste sich schweren Herzens abmelden. Niemand würde es wagen, auch nur ein schlechtes Wort über eine solch pflichtbewusste Person zu verlieren, welche sich anstelle eines gemütlichen Wochenendes kopfüber in die Arbeit stürzt.

Genug Vorgeplänkel schliesslich geht’s hier um die Bergturnfahrt. Mit dem Zug in Richtung Grindelwald, dem Startpunkt der diesjährigen Wanderung, begann die Reise. Unterwegs verpflegte sich die muntere Truppe zur Genüge, um gestärkt losmarschieren zu können, denn der Organisator versprach steile Anstiege direkt zum Start. Dieses Versprechen wurde sogleich gehalten, denn so ziemlich von Anfang an prägten steile Rampen die Wanderung. Mühsam kämpften sich die wackeren Leidesgenossinnen und -genossen den Berg hinauf, mit dem Gedanken im Kopf, dass es sicherlich nicht immer so steil bergauf gehen kann. Doch trotz der Ankündigung, dass es bald schon etwas abflachen würde, war kaum ein Unterschied in der Steigung spürbar. Aufgrund dieser enormen körperlichen und je länger je mehr auch psychischen Herausforderungen, wurden regelmässig Pausen eingelegt. Meter um Meter stieg man dem Himmel empor, bis schliesslich ein kleines Plateau erreicht wurde, welches sich perfekt für die Mittagspause eignete. Die schöne Aussicht belohnte alle Mühen des bereits zurückgelegten Weges. Diese Glücksgefühle wurden noch verstärkt, durch die erfrischenden Getränke in der nahegelegenen Bergbeiz. Die Freude währte nicht allzu lange und schon bald galt die volle Konzentration wieder dem Aufstieg.

Nun aber hatte jeder und jede das Ziel klar im Blick. Die Kleine Scheidegg. Fokussiert wurde der letzte Teil der Strecke in Angriff genommen und langsam, aber stetig näherte sich die Wanderschaft dem höchsten Punkt des Tages. Dort angekommen wurde, wie es der Brauch verlangt, ein Gipfelwein entkorkt. Danach wurde die ausserordentliche Leistung aller Teilnehmenden mit einem Coup belohnt.

Der Schilderung des Aufstiegs zufolge, könnte davon ausgegangen werden, dass jegliche Energie bereits eingesetzt wurde, doch weit gefehlt. Eine kleine Gruppe konnte noch ein paar Reserven mobilisieren und beschloss, auch noch den Weg bis zur Station Wengernalp zu Fuss zurückzulegen. Der Rest verweilte noch etwas im Restaurant, bis schliesslich die Bahn nach Lauterbrunnen aufgesucht wurde. Unterwegs stieg auch noch das Vorzeige-Athleten-Détachement zu und so fuhren alle gemeinsam in Richtung Tal. Unten angekommen, wurde das Nachtquartier bezogen und mit einer warmen Dusche die Anstrengungen des Tages weggewaschen.

Frisch, fröhlich und in Abendgarderobe spazierten die hungrigen Turner und Turnerinnen zum Restaurant Steinbock, wo das Abendessen serviert wurde. Nachdem die gesamte Mannschaft verköstigt worden war, musste schon wieder jemand aufgrund der Arbeit verfrüht abreisen. Das liegt wohl in der Familie. Nichtsdestotrotz war der Abend für die verbleibenden Wandervögel noch lange nicht gelaufen. Ein lokaler Insider-Tipp führte in ein gemütliches, wenn auch etwas verlassenes Pub. Auf dem Weg dorthin nahmen die Strapazen des Tages nun aber Gestalt an, dies in Form eines starken Hinkebeins, welches nach einigen aufmunternden Worten schliesslich doch noch zum Lokal fand. Wie so oft bildete ein ruhiger Abend, kombiniert mit viel Schlaf die Grundlage für einen weiteren Wandertag.

Der nächste Morgen. Nach einem stärkenden Frühstück wurden die Wanderschuhe erneut geschnürt und das Tagesziel, Interlaken, wurde bekannt gegeben. Ein Aufatmen beim einen und Erleichterung bei der anderen liessen durchblicken, dass wohl niemand den Höhenmetern des letzten Tages nachtrauerte. Also liess die Gruppe Lauterbrunnen hinter sich und startete in gewohnt fröhlicher Manier in den zweiten Wandertag. Durch schöne Wälder, flankiert von eindrücklichen Felsklippen, führte der Weg entlang eines kleinen Flusses immer weiter hinunter. Wie sich herausstellte trägt dieser Fluss den klingenden Namen «Lütschine» und trifft, wie könnte es anders sein, in Zweilütschinen auf die andere Lütschine. Es war ein herrlicher Sonntag, denn auch das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und so verging die Zeit wie im Flug. Nach einem kurzen Mittagshalt begab sich die Wanderschar auf die letzten Kilometer und landete schliesslich in Interlaken, wo bei einem kühlen Hopfentee und erstklassiger Bedienung über das vergangene Wochenende geschwärmt wurde.

Eine kurzweilige Zugfahrt später fand man sich in gewohnter Umgebung wieder und das Ende der Bergturnfahrt war nah. Während die einen sich mit diesem Umstand abfanden, klammerten sich andere an der schönen Zeit fest und versuchten die Reise durch einen Besuch im Pintli noch etwas zu verlängern. Wer nun die bessere Entscheidung traf sei dahingestellt. In einem Punkt waren sich jedoch alle einig, dass es einmal mehr eine wunderschöne Bergturnfahrt war.

Ein spezieller Dank gilt dem Organisator, welcher wie erwartet eine äusserst sorgfältig geplante Reise auf die Beine gestellt hat.

Euer Hobbyberichtschreiber
Luc